Berufliche Anerkennung

Wie eine berufliche Annerkennung in Deutschland aussieht und ob sie notwendig ist, hängt vom Beruf ab. Z.B. darf man als Arzt/Ärztin in Deutschland nicht ohne Anerkennung arbeiten. Generell ist eine deutschsprachige Zeugnisbewertung von einer Anerkennungsstelle nützlich, da die Qualifikationen bei einer Bewerbung besser eingeschätzt werden können.

Im Bereich der Beruflichen Anerkennung zählt stets der individuelle Fall. Grundsätzlich wird geprüft, ob die Dauer und die Inhalte der Ausbildung einer vergleichbaren deutschen Ausbildung entsprechen. In vielen Berufen werden auch zusätzliche Kompetenzen berücksichtigt, vor allem Berufserfahrungen und Weiterbildungszertifikate.

Die Anerkennungsverfahren für berufliche Qualifikationen sind sehr vielfältig. Grundsätzlich lassen sich zwei Bereiche unterscheiden:

Reglementierte Berufe

Reglementiert bedeutet, dass die Ausübung des jeweiligen Berufs (z.B. Arzt, Lehrerin) durch eigene Gesetze geregelt ist. Auch das Anerkennungsverfahren ist in diesen Fällen gesetzlich festgelegt. Eine Anerkennung des ausländischen Abschlusses durch eine Behörde oder einen Berufsverband ist die Voraussetzung dafür, dass der Beruf in Deutschland ausgeübt werden kann. Ca. 60 Berufe sind in Deutschland reglementiert. Allerdings gibt es unter den Bundesländern einige Unterschiede, so ist z.B. der Beruf der Erzieher/innen nicht in allen Bundesländern reglementiert.

EU-Bürger/innen haben hier einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren; sie profitieren von den Bestimmungen der EU-Anerkennungsrichtlinien. Sogar wenn sog. "wesentliche Unterschiede" zur deutschen Ausbildung festgestellt werden, können EU-Bürger/innen oft das Angebot einer Teilanerkennung nutzen: Dies bedeutet, dass sie wahlweise eine eingeschränkte Eignungsprüfung oder eine Anpassungsqualifizierung absolvieren können, um eine volle Anerkennung zu erlangen.

Reglementierte Berufe:

·         Akademische Heilberufe

·         Gesundheitsfachberufe bzw. Heilhilfsberufe

·         Lehrer/in

·         Sozialpädagoge/in

·         Erzieher/in

·         Ingenieur/in

·         Dolmetscher/in

·         Jurist/in

·         Steuerberater/in

·         Architekt/in

·         Lebensmittelchemiker/in

·         Schifffahrtsberufe

Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse sind jederzeit möglich und können gegen eine Verwaltungsgebühr vorgenommen werden. Bei der Bewertung der Qualifikation zählen neben der Berufspraxis auch Nachweise zu Weiterbildungen.

Die sogenannte Gleichwertigkeitsprüfung wird entsprechend des Berufs bei der zuständigen Stelle beantragt und durchgeführt. So unterscheidet man in Deutschland beispielsweise Aus- und Fortbildungsabschlüsse aus dem Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammer oder Berufsabschlüsse die z.B. in die Zuständigkeit der Landwirtschafts- oder Handwerks-, Ärzte-, Zahnärzte-, Rechtsanwaltskammer fallen. (siehe „Portal zum Anerkennungsgesetz des Bundes“)

Ein Verfahren zur Gleichwertigkeitsprüfung dauert in der Regel mindestens 3 Monate und kostet je nach Aufwand zwischen 100 und 600 Euro.

Nicht reglementierte Berufe

Der überwiegende Teil der Berufe in Deutschland ist nicht reglementiert. Dies betrifft die meisten akademischen Berufe und Ausbildungsberufe. Eine Anerkennung ist hier nicht unbedingt erforderlich, um den erlernten Beruf in Deutschland ausüben zu dürfen.

Generell ist eine Bewerbung mit nationalem Zeugnis möglich, wenn kein Anerkennung-sverfahren vorgesehen ist. Die berufliche Eignung wird dann im Rahmen einer Probezeit entschieden.

EU-Bürgerinnen und Bürger können sich zudem mit dem europass in den Mitgliedstaaten bewerben. Europass soll die europaweite Mobilität von Arbeitnehmern und Auszubildenden fördern. Der Europass eröffnet die Möglichkeit, berufliche Qualifikationen und Kompetenzen in einem europaweitvereinheitlichten Format darzustellen. Die entsprechenden Formulare und Informationen erhalten Sie im Internet unter: www.europass-info.de

Ein Anerkennungsverfahren ist generell jedoch möglich und erhöht evtl. die Chancen auf dem  Arbeitsmarkt.

Dolmetcher Datenbank für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse

In der Regel müssen die Übersetzungen bei allen Anerkennungsverfahren von einem/einer öffentlich beeidigten Dolmetscher/in oder ermächtigten Übersetzer/in angefertigt sein. Unter folgender Internetadresse findet sich die offizielle Dolmetscher- und Übersetzerdatenbank der Landesjustizverwaltungen: http://www.justiz-dolmetscher.de/suche.jsp

Selbstständigkeit bei Handwerksberufen

Handwerksberufe lassen sich in zulassungspflichtige und zulassungsfreie Berufe unterteilen. Wer sich in einem zulassungspflichtigen Handwerk der Anlage A der Handwerksordnung (HwO) selbstständig machen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit der Betrieb in die Handwerksrolle eingetragen wird. In der Regel ist das der Meisterbrief bzw. im Ausland erworbene Abschlüsse, die diesem entsprechen. Alle zulassungspflichtigen Handwerksberufe sind hier zu finden: http://www.hwk-duesseldorf.de/31,0,203.html

Es gibt aber auch Berufe in denen man sich ohne Meisterbrief und ohne besondere Zulassungsvoraussetzungen selbstständig machen kann. In der Anlage B1 der Handwerksordnung findet sich eine Liste der sogenannten zulassungsfreien Berufe: http://www.hwk-duesseldorf.de/31,0,1177.html

Fördermöglichkeiten bei den Kosten des Anerkennungsverfahrens

Fördermöglichkeiten für SGB II – Bezieher

Die Kosten des Anerkennungsverfahrens, z.B. für Übersetzungen oder Beglaubigungen der Antragsunterlagen und für eventuell erforderliche Nachqualifizierungen, obliegen grundsätzlich dem/der Antragsteller/in selbst. Allerdings gibt es Fördermöglichkeiten über das sogenannte Vermittlungsbudget für SGB:

Vermittlungsbudget

Kosten zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse können im Rahmen des Vermittlungsbudgets nach § 44 SGB III (i. V. m. § 16 Abs. 1 SGB II) übernommen werden, soweit dies für die Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt erforderlich ist. Die Förderung umfasst die Übernahme der üblichen und angemessenen Kosten, zum Beispiel für Aufwendungen, die durch die Vorlage der Unterlagen entstehen. Übersetzungen, Beglaubigungskopien und Gebühren für Gutachten bei Kammern fallen ebenfalls unter die förderbaren Aufwendungen.1

Beratung

Das IQ Netzwerk NRW hat ein Servicetelefon Berufliche Anerkennung eingerichtet. Anerkennungssuchende aus NRW können hier eine telefonische Klärung ihres Beratungsbedarfs und Erläuterungen zum weiteren Ablauf der Anerkennungserstberatung erhalten. Die Beratung erfolgt in deutscher Sprache.  Tel.: 0201/3101 100

Es gibt ebenfalls Beratungsstellen vor Ort, Anschriften finden sich im Anhang.

Quellen und weiterführende Links:

Bundesagentur für Arbeit:

 http://www.arbeitsagentur.de/nn_165870/zentraler-Content/HEGA-Internet/A05-Berufl-Qualifizierung/Dokument/HEGA-03-2012-Anerkennungsgesetz.html 

berufliche-anerkennung.de:

 http://www.berufliche-anerkennung.de/index.php/herzlich-willkommen  (Zugriff am 02.10.2013)

Bundesstadt Bonn, Schulamt – Bildungsberatungsstelle:

Bewertung und ggf. Anerkennung ausländischer / internationaler Zeugnisse / Bildungsnachweise für Personen, deren Erstwohnsitz und Aufenthaltsrecht in Nordrhein-Westfalen (NRW) liegt

Wegweiser Nordrhein-westfalen für die Anerkennung:

 http://www.mais.nrw.de/08_PDF/003_Integration/004_foerderbereiche/foerderungen_qualifikation_01_Wegweiser_Nrw.pdf  (Zugriff am 21.10.2013)

Informationsportal zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse:

http://anabin.kmk.org/ (Zugriff am 21.10.2013)

Industrie und Handwerkskammer zu Düsseldorf: Gleichwertigkeitsprüfung nach dem BQFG:  http://www.duesseldorf.ihk.de/Ausbildung_Lehrstellen_Pruefungen/Anerkennung_Gleichstellung_auslaendischer_Bildungsnachweise/1793100/Berufsqualifizierungsfeststellungsgesetzes_BQFG.html;jsessionid=10E310423571464937378C7E35123074.repl2  (Zugriff am 13.08.2013)

Hochschulkompass:

 http://www.hochschulkompass.de/studium/voraussetzungen-fuers-studium/staatsbuergerschaft.html#c4373  (Zugriff am 07. 10.2013)

1  http://www.arbeitsagentur.de/nn_165870/zentraler-Content/HEGA-Internet/A05-Berufl-Qualifizierung/Dokument/HEGA-03-2012-Anerkennungsgesetz.html